Unwetter im Sommer - wie werden sie definiert und klassifiziert?
In den vergangenen Wochen und Monaten wird man in den Medien vom Begriff des Unwetters nahezu erschlagen. Unwetter hier, Unwetter da. In der aktuellen Saison scheint auch der Begriff der Wasserbombe, also eines sehr heftigen Starkregens in die Mode gekommen zu sein.
Jeder hat unterschiedliche Ansprüche, dementsprechend bewertet jeder auch besondere Wetterereignisse unterschiedlich. Für den einen macht ein Unwetter eine besonders hohe Blitzaktitivät aus, für den anderen sind es Sturmböen, wieder ein anderer fokussiert sich auf die gefallenen Regenmengen innerhalb eines gewissen Zeitraums.
Werfen wir doch mal einen Blick auf die einfachste und wahrscheinlich auch aussagekräftigste Definition eines sog. Unwetters...
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) richtet sich bei der Definition ausschließlich an den Parameter der Regenmenge in einem bestimmten Zeitraum. Folgende Klassifikationen gelten:
Darüber hinaus richtet er sich auch nach den Niederschlagsmengen innerhalb längerer Zeiträume, z.B. der gefallenen Regenmenge in 3 oder 6h, auf die hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.
Wie sind die o.g. Mengen einzuordnen, wie oft treten sie auf?
Leider ist die Recherche nach Extremwerten beim DWD sehr aufwändig und mühsam. Einige Aussagen darüber können aber dennoch getroffen werden.
Starkregenereignissen wird in dem Sinne keine ausgesprochene Seltenheit zugeordnet. Ein Niederschlagsereignis von 15-25 mm in einer Stunde stellt selten Gefahren dar.
Unwetterereignisse zwischen 25 und 40 mm innerhalb einer Stunde weisen schon ein deutlich selteneres Auftreten auf. Um das exakte Gefahrenpotenzial abschätzen zu können, ist mit 60 min das Zeitintervall jedoch fast schon zu groß gewählt. Zudem kommt es selten vor, dass bei Gewitterereignissen die Niederschlagsaktivität während des gesamten Zeitraums gleich ist, d.h. die in einer Stunde registrierte Menge fiel meist in einem deutlich kürzeren Zeitraum, nicht selten in weniger als 30 Minuten!
Trotz ihres sehr lokalen Auftretens lassen sich in unserer Region - nicht zuletzt dank der zunehmenden Automatisierung der Niederschlagsstationen - gewisse Aussagen bzw. Abschätzungen treffen, wo besonders häufig mit Unwetterereignissen bzgl. Starkregens zu rechnen ist.
In der Region des Schwarzwaldes stechen einzelne Stationen mit einer auffälligen Häufung von Starkniederschlagsereignissen heraus:
Die o.g. Stationen haben in den letzten 10 Jahren mehrere unwetterartige Regenmengen aufgezeichnet - ein schwereres Unwetterereignis trat mehr als zwei Mal auf, Todtmoos und Lenzkirch-Ruhbühl haben sogar das höchste Kriterium eines extremen Unwetters in einem Fall knapp überschritten.
Es zeigt sich zudem, dass bestimmte Gebiete im Schwarzwald kaum von Unwettern betroffen sind. Die Station am Ruhestein, eine der niederschlagsreichsten Stationen des DWDs im Jahresmittel, hat seit ihrer Automatisierung noch kein einziges Unwetterereignis erfasst. Ein ähnlicher Sachverhalt lässt sich für den Feldberg im Südschwarzwald feststellen.
Stattdessen lässt sich eine erhöhtes Vorkommen von heftigen Niederschlagsereignissen besonders in der Ortenau, im südlichen Breisgau sowie in den Leelagen des Südschwarzwaldes, östlich der Gipfel, feststellen.
Im Rahmen der Hochwasservorhersagen erstellt der DWD zudem Daten der Jährlichkeit der Überschreitung gewisser Regenmengen - ein extremes Unwetterereignis über 60 mm innerhalb einer Stunde weist in vielen Regionen eine Jährlichkeit zwischen 50 und 100 Jahren auf.
Was oft missachtet wird: es handelt sich dabei um die Wahrscheinlichkeit des Auftretens an einem bestimmten Punkt! Bezogen auf größere Gebiete ist es dementsprechend keinesfalls überraschend, dass punktuell 100-jährige Ereignisse quasi jeden Sommer auftreten.
Sind noch höhere Niederschlagsmengen möglich?
Ja! Auch wenn für Ereignisse über 60 mm/h keine weiteren Klassifizierungen gelten, kann diese Frage bejaht werden. Die Wahrscheinlichkeit nimmt jedoch oberhalb dieser Regenmengen extrem schnell ab. Im vergangenen Sommer wurde nur an einem Tag im Netz des DWDs (über 1000 Stationen) eine Niederschlagsmenge von knapp über 80 mm in 1h gemessen.
Der private Wetterdienst DTN/MeteoGroup (ehemals Meteomedia) landete im Juni 2017 im brandenburgischen Landkreis Oberhavel einen absoluten Volltreffer. An der Station Oranienburg-Lehnitz wurde im Zuge einer extrem stationären Starkregenzelle (Blitze traten kaum auf) die 100 mm - Grenze in einer Stunde überschritten! Damit jedoch nicht genug - die Station erfasste innerhalb von knapp 12 Stunden außerordentliche 250 mm Niederschlag - in einer der trockensten Regionen Deutschlands ein absolutes Extremereignis.
So wild es klingt, auch das kann noch getoppt werden. Während des Elbehochwassers 2002 wurden im Erzgebirge am 12.08.2002 an der Station Zinnwald-Georgenfeld innerhalb von 24 Stunden 312 mm Niederschlag registriert - was ohne zu Übertreibungen neigend als Jahrtausendereignis bezeichnet werden kann. Die Folgen für Land und Leute fielen entsprechend aus ...